bb. Opfer des faschistischen Ustascha-Regimes haben in den USA eine Sammelklage eingereicht. Die Kläger machen laut einer Agenturmeldung geltend, das Regime habe während des Zweiten Weltkriegs in Kroatien den Serben Gold, Silber und andere Vermögenswerte geraubt. Diese seien dann in der Folge unter anderem via die Vatikanbank auf Banken in der Schweiz, Österreich, Argentinien, Spanien, Italien, Portugal und Deutschland geflossen. In die Klage einbezogen wurde nun, wie die Anwälte verlauten liessen, unlängst auch die Schweizerische Nationalbank (SNB). Allerdings haben, wie in Bern zu erfahren war, weder die Bundesbehörden noch die SNB bis jetzt diese Klage zugestellt erhalten. Sie können sich dazu daher nicht inhaltlich äussern. Ob es je zur Zustellung der Klage kommen wird, ist sehr fraglich, stellen sich doch - wie die Debatte um das jüdische Raubgold gezeigt hat - zahlreiche äusserst knifflige juristische Fragen (Zuständigkeit der USA, Immunität einer Notenbank, Abgrenzungsfragen zum Washingtoner Abkommen usw.). Zweifel sind aber auch in materieller Hinsicht angebracht. Auf Grund der verfügbaren Unterlagen hatte die kroatische Nationalbank bei der Schweiz 1338 Kilo Gold eingelagert. Dieses Gold wurde am 24. Juli 1945 vollumfänglich an die jugoslawische Zentralbank als Rechtsnachfolgerin transferiert. Gleiches geschah mit den übrigen Guthaben.
Neue Zürcher Zeitung, 16. September 2000